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Retrospektive Dissertation Medizin Studieren

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Die medizinische Doktorarbeit – Hilfreiche Tipps und Hinweise

Die meisten Medizinstudenten stellen sich im Lauf ihres Studiums die Frage: Promovieren - ja oder nein? Und falls ja, zu welchem Thema? Und wie geht man am besten vor? All diese Fragen sind nicht einheitlich und für jeden gleich zu beantworten. Im Folgenden finden Sie Hinweise, die Ihnen bei der Entscheidung und bei der Erstellung Ihrer Doktorarbeit helfen sollen.

Promovieren Pro und Contra

Auch wenn Ärzte von vielen Menschen mit angesprochen werden, ist der Doktortitel keine zwingende Voraussetzung, um als Arzt zu praktizieren. Ein Arzt darf nach Erhalt seiner Approbation Patienten behandeln und therapieren.

Aktuell promovieren etwa 50-70 Prozent der Absolventen und erwerben damit das Recht, das Kürzel vor ihrem Namen zu tragen. Über eine fachliche Qualifikation sagt der Titel nur bedingt etwas aus. Trotzdem kann er bei einer Bewerbung hilfreich sein, wenn Sie zum Beispiel in einem begehrten Fachgebiet arbeiten möchten.

Wenn Sie über eine universitäre Laufbahn nachdenken bzw. in der Forschung tätig sein wollen, kann der Doktortitel unerlässlich sein.
Auch für die Eröffnung einer eigenen Arztpraxis, ist ein Titel nicht zwingend notwendig. Allerdings kann er auf dem Praxisschild bei zukünftigen Patienten Eindruck machen.

Trotzdem ist eine Promotion nicht für jeden das Richtige. Das Verfassen der Doktorarbeit erfordert viel Zeit und mitunter auch viel Nervenstärke. Zeit, die Ihnen für die anderen Erfordernisse des Studiums fehlt. Letztlich muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, wie wichtig ihm der Titel ist. Haben Sie sich für die Dissertation entschieden, stellen sich viele Fragen. Zuerst sollten Sie festlegen, welche Art der Doktorarbeit für Sie am sinnvollsten ist.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Die meisten Medizinstudenten beginnen mit der Promotion zwischen dem 5. und 10. Semester. In jedem Fall ist es sinnvoll, erst nach dem Physikum zu beginnen, denn erst jetzt verfügen Sie über das nötige Wissen zur Durchführung und zur Interpretation der Daten. Aber auch nach dem Studium ist es noch möglich, berufsbegleitend zu promovieren. Circa 10 Prozent aller Doktoranden nutzen diese Möglichkeit.

Welche Dissertation passt zu mir?

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Herangehensweisen an eine medizinische Promotion. Je nachdem wo Ihre Stärken liegen und je nach späterem Berufsziel entscheiden Sie sich für eine experimentelle oder eine klinische bzw. statistische Arbeit. In allen Fällen müssen Sie das wissenschaftliche Arbeiten und die Methoden des Fachs beherrschen.

Die experimentelle Doktorarbeit

Bei einer ex­pe­ri­men­tellen Dok­tor­ar­beit führen Sie Labor-Ex­pe­ri­mente an Zell­kulturen, Gewebe­proben oder Versuchs­tieren durch. Anhand Ihrer Studien können Sie neue Thesen aufstellen und überprüfen. Wer später in der medizinischen Forschung arbeiten möchte, tut gut daran, sich für eine experimentelle Doktorarbeit zu entscheiden.

Solche Arbeiten sind anspruchsvoll und erfordern einen sehr guten analytischen Verstand, viel Geduld und hohe Genauigkeit bei der Durchführung. Da eine experimentelle Arbeit unter Umständen Jahre in Anspruch nehmen kann, sollten Sie unbedingt ausreichend Zeit einplanen.

Die klinische oder statistische Doktorarbeit

Die klinische Doktorarbeit stützt sich auf Patientendaten. Hier haben Sie die Wahl, ob Sie mit bestehenden Daten aus Patientenakten arbeiten möchten (retrospektive klinische Studie oder statistische Arbeit) oder selbst Daten erheben möchten (prospektive klinische Studie). Einerseits ist es spannend, selbst Studien durchzuführen und Daten zu erheben. Andererseits erfordert diese Vorgehensweise hohe Flexibilität, denn Sie arbeiten mit Menschen. Das bedeutet, dass Patienten Termine absagen oder verschieben können oder dass sie ganz aus der Studie ausscheiden. Sie müssen vor der Studie Patienten rekrutieren und die über einen längeren Zeitraum erhobenen Daten strukturiert und zuverlässig verwalten.

Die retrospektive oder statistische Arbeit, die sich auf bereits erhobene Daten stützt, ist meistens weniger arbeitsintensiv. Dabei werten Sie Patientendaten aus einem bestimmten Zeitraum nach einer zuvor festgelegten Fragestellung aus.

Entscheiden Sie je nach Ihren Stärken und Berufszielen, ob und welche Art der medizinischen Doktorarbeit für Sie in Frage kommt.

Wie gehe ich vor? Herangehensweise und Aufbau

Die wenigsten Medizinstudenten haben vor ihrer Promotion schon einmal eine längere schriftliche Abhandlung verfasst und dementsprechend groß sind oft die Schwierigkeiten bei der Herangehensweise. Ganz wichtig ist es, ausreichend Zeit einzuplanen und vom ersten Tag an sehr systematisch und geordnet vorzugehen.
Das gilt auch für das Literaturverzeichnis, sonst suchen Sie sich am Ende der Arbeit zu Tode, wenn es darum geht einen Aufsatz oder Daten, die Sie in den ersten Tagen erhoben haben, wiederzufinden und zuzuordnen.

Der Aufbau der Pro­mo­tions­arbeit

Eine medizinische Doktorarbeit sollte wie folgt aufgebaut sein:
  • Deckblatt (meist vorgegeben)
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Einleitung mit Fragestellung
  • Methodik und Material
  • Ergebnisse
  • Diskussion der Ergebnisse
  • Zusammenfassung
  • Literaturverzeichnis
  • Tabellarischer Lebenslauf
  • Danksagung

Thema und Fragestellung

Der erste Schritt zum Doktortitel ist das Festlegen des Themas und der damit verbundenen Fragestellung. Auch wenn es vielen Medizinstudenten schwer fällt: Je genauer Sie Ihre Frage umreißen, desto leichter fällt Ihnen die Auswertung Ihrer Daten. Nur so haben Sie stets das Ziel vor Augen und verlieren sich nicht im Gewirr von Zahlen und Fakten. Und nur so grenzen Sie den Arbeitsaufwand auf ein machbares Maß ein. Die Fragestellung leitet Sie durch die gesamte Arbeit. Sie sollte sehr präzise formuliert werden. Tun Sie das unbedingt bevor Sie mit der Arbeit beginnen. Die Fragestellung gehört in die Einleitung Ihrer Arbeit und sollte nicht mehr als 5-10 Prozent der schriftlichen Arbeit ausmachen.

Methoden

Nach der Einleitung, in der Sie Ihr Thema und Ihre Fragestellung vorstellen, folgt die Erklärung der von Ihnen angewandten Methodik und der verwendeten Materialien. Wie haben Sie Ihre Daten genau erhoben? Wie war der Aufbau, der Ablauf, wie war Ihre genaue Vorgehensweise? Dieser Teil sollte maximal 40 bis 60 Prozent der schriftlichen Arbeit einnehmen.

Ergebnisse und Diskussion

Im nächsten Kapitel stellen Sie Ihre Ergebnisse vor, die im Anschluss daran diskutiert werden. Können sie die vorher gemachten Hypothesen bestätigen oder widerlegen? Was können Sie aus den Daten schlussfolgern? Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse auch mit denen der Literatur. Wichtig ist, dass Sie in der Diskussion die Frage aus der Einleitung wieder aufgreifen und anhand Ihrer Daten und Ergebnisse beantworten. Wer unsicher ist, wie er die Diskussion am besten aufbaut, tut gut daran, sich eine Beispielsarbeit zu besorgen, an der er sich orientieren kann. Hilfreich sind auch die Leitfragen, nach denen die Gutachter vorgehen. Diese können Sie oft auf der Webseite des Promotionsbüros einsehen. Die abschließende Zusammenfassung bringt die Arbeit auf 1-2 Seiten präzise auf den Punkt.

Allgemeines: Rechtschreibung, Grafiken & Co.

Einen guten Eindruck machen Sie, wenn Sie beim Verfassen Ihrer Arbeit großen Wert auf formale Richtigkeit in allen Bereichen legen. Lassen Sie auch die sprachliche Gestaltung und die Rechtschreibung nicht außer Acht. Hilfreich ist es, die Arbeit am Ende von mindestens zwei Kollegen Korrektur lesen zu lassen. Grafiken, Tabellen und Abbildungen sollten so beschriftet sein, dass sie selbsterklärend sind und für sich allein stehen könnten. Setzen Sie eine Überschrift über Abbildungen und eine Erklärung darunter. Vergessen Sie auch nicht, die jeweiligen Einheiten anzugeben. Verwenden Sie eine einheitliche Nummerierung und vereinfachen Sie dem Prüfer das Lesen durch Absätze und Überschriften. Indem Sie die verwendete Literatur sehr genau verzeichnen, vermeiden Sie, unter Plagiats-Verdacht zu fallen. Was viele nicht wissen: Sie müssen sich vor Beginn der Arbeit im Promotionsbüro der Universität anmelden. Erst wenn der dort gestellte Antrag bearbeitet ist, können Sie die Arbeit abschließen. Im Promotionsbüro erfahren Sie auch, wie viele Exemplare Ihrer Arbeit Sie veröffentlichen müssen oder ob es genügt, sie online zur Verfügung zu stellen.

Fast geschafft: die Veröffentlichung

Der Lehmanns Verlag bietet Autoren einen Full-Service inklusive Produktion, Archivierung des Titels, Vergabe einer ISBN und Eintrag ins VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher), Vertrieb (Angebot im Internet und über das VLB) sowie Verkauf/Versand der Bücher an den Besteller (direkt an den Kunden oder über den Buchhandel). Für Sie als Autor fallen keine Lagerkosten und keine Kosten für eine Vorfinanzierung an. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie auf den Seiten des Lehmanns Verlages oder schreiben Sie uns: verlag@lehmanns.de.

Literatur zum Thema

Promovieren mit Plan

von Randi Gunzenhäuser, Erika Haas
2015 | UTB 12,99 EUR

Der Weg zum Doktortitel

von Helga Knigge-Illner
2015 | Campus 19,90 EUR

Wie schreibe ich eine Doktorarbeit?

von Jasmin Webinger, Daniela Keller, Barbara Budrich
2015 | Speinger Berlin 12,99 EUR
Alle Tipps, Tricks und Neuigkeiten für Studium und Praxis in der Lehmanns WissensBox

Der Griff nach dem Doktorhut

Fast alle Mediziner möchten ihren Namen mit dem "Dr. med." schmücken. Doch für viele hängt der Doktorhut hoch. Schon bei der Suche nach einem geeigneten Thema oder dem richtigen Doktorvater kannst du Fehler machen, die zum Abbruch deiner Dissertation führen können. Via medici beschreibt, worauf du achten musst, damit du erfolgreich promovieren und den Doktortitel führen kannst.

Foto © Ulf Sommerwerck

Ich nehme jetzt vier Wochen Urlaub und schreibe meine Doktorarbeit fertig." Ob es wohl diesmal klappt? Schon im Herbst vor zwei Jahren hatte Andreas Binder aus Hannover einige Wochen frei genommen, um seine Dissertation endlich abzuschließen, aber die Zeit hatte nicht gereicht. Ehe er sich richtig in das Thema eingearbeitet hatte, war der Urlaub vorbei. "Als Stationsarzt komme ich einfach nicht dazu, die Arbeit fertig zu stellen. Oft muss ich zu Hause Arztbriefe diktieren. Wenn neben den Diensten etwas freie Zeit bleibt, will ich auch mal etwas mit Freunden und meiner Frau unternehmen. Jetzt im Urlaub muss ich die Promotion endlich zu Ende bringen, sonst wird nichts mehr aus dem Titel."

Schrecken ohne Ende?

Vielen Medizinern geht es wie Andreas Binder: Wer am Ende des Studiums seine Doktorarbeit nicht unter Dach und Fach hat, kann ins Schlingern geraten. Steckt der Arzt mitten im Arbeitsalltag, schafft er es kaum mehr, eine Promotion abzuschließen. "Eigentlich kann ich froh sein, dass ich arbeitslos geworden bin", sagt Silke Voigt aus Rostock. "Die Zeit habe ich genutzt und meine Arbeit fertig geschrieben. Hätte ich gleich nach dem AiP eine Assistentenstelle gefunden, läge die Diss noch jetzt halb fertig auf dem Schreibtisch. Schließlich hatte ich schon im AiP keine Zeit, um auch nur eine Seite zu schreiben. Ich habe sechs Jahre gebraucht von der Themenwahl bis zur Abgabe." Die Arbeit von Andreas Binder dauert schon acht Jahre. "Unangenehm daran ist, dass ich sie immer im Hinterkopf habe", sagt er. "An jedem freien Wochenende denke ich, ich sollte über der Arbeit sitzen und nicht zu Freunden aufs Land fahren. Dabei habe ich schon so früh mit der Promotion angefangen."

Großer Zeitaufwand

Mediziner sollten mit der Promotion nach dem ersten Staatsexamen beginnen. Sie müssen damit rechnen, dass sie mindestens zwei Jahre brauchen, im Durchschnitt eher drei bis vier. Schätzt ein Doktorvater den Zeitbedarf auf weniger als zwei Jahre, ist das unrealistisch. Vereinzelt ist schon mal eine sehr kurze Arbeit dabei. Es gibt aber Mediziner, die zehn Jahre und mehr über ihrer Arbeit sitzen. "Die Studenten sollten sich bereits im ersten klinischen Semester auf Themensuche begeben", empfiehlt Prof. Axel W. Bauer, Mitglied des Promotionsausschusses in Heidelberg und Leiter des Proseminars zur Promotion am Klinikum Mannheim. "Nach dem Ersten Abschnitt der Prüfung kann der Doktorand anfangen, Daten zu sammeln und Untersuchungen durchzuführen. Die erste Version der Dissertation mit Auswertung der Ergebnisse und Diskussion sollte bereits vor dem PJ fertig sein. Gelingt dies, ohne dass der Student ein Freisemester einlegen muss, ist das ideal. Ist die Arbeit aber noch nicht abgeschlossen, finde ich es sinnvoll, wenn der Doktorand vor oder nach dem zweiten Staatsexamen ein Urlaubssemester einlegt. Schließlich ist der Titel wichtig für die Laufbahn eines Mediziners."

"Dr.med.", wozu?

Etwa zwei Drittel aller Ärzte sind "Doktoren", deutlich mehr als andere Akademiker. Warum brauchen Mediziner diesen Titel? "Ich finde, dass für einen Mediziner eine Promotion dazugehört", sagt Jens Rüter, PJler an der Humboldt-Universität in Berlin. "Vor allem aber zeigt man durch sie, dass man sich mit einem Thema wissenschaftlich befassen kann." Oft ermöglicht die Promotion einen reibungsloseren Einstieg in den Beruf. "Wenn ein Chefarzt hundert Bewerber auf eine Stelle hat, wird mancher die Ärzte ohne ,Dr.' gleich unter den Tisch fallen lassen", berichtet Prof. Bauer. "Zwar besteht nicht jeder Chef auf den Titel, aber Sie kommen in Erklärungsnot, wenn Sie keinen haben. Einige Stellen an der Uni oder in der Industrie stehen überhaupt nur promovierten Ärzten offen, eine wissenschaftliche Karriere ist ohne Promotion undenkbar. Auch für viele Patienten ist ein Arzt ohne ,Dr. med.' kein richtiger Arzt; dass Ärzte promoviert sind, gilt quasi als normal." Und die, die keinen "Doktor" haben? Wissenschaftler der Uni Erlangen haben niedergelassene Ärzte ohne Doktortitel befragt.

89% hatten mindestens einen Promotionsversuch unternommen, nur 4% hatten nie die Absicht, eine Doktorarbeit zu schreiben. Ein Drittel möchte das Versäumte selbst als Niedergelassene noch nachholen. 60% aber glauben, dass das neben der praktischen Arbeit nicht zu schaffen ist. Die meisten haben ihre Doktorarbeit abgebrochen, weil sie sich schlecht betreut fühlten oder die Planung nicht stimmte. "Viele verlieren die Motivation, wenn Laborversuche nicht klappen oder nicht das erwartete Ergebnis herauskommt", glaubt Prof. Bauer. "Dabei ist ein negatives Ergebnis auch ein Ergebnis!"

Vorsicht, Falle!

"Mein erster Versuch ist kläglich gescheitert", erzählt Dr. Bettina Hansen aus Ulm. "In einer Pilotstudie habe ich gemessen, ob sich der Cortisolspiegel im Speichel unter Stress ändert. Als wir wussten, dass die Methode tatsächlich funktioniert, sollte ich das Cortisol bei Kindern messen. Wir vermuteten, dass Kinder, die bei medizinischen Untersuchungen ruhig bleiben, ihre Angst unterdrücken, und dadurch mehr Stress haben als weinende Kinder. Leider hatte meine Betreuerin gar keine Verbindungen zur Pädiatrie. Ich musste das Studiendesign selbst entwerfen und war in der Kinderambulanz auf mich allein gestellt. Die Studie war nicht durchzuführen, u.a. weil ich oft nicht zu den Untersuchungen dazugerufen wurde. Drei Monate lang war ich täglich in der Ambulanz. Insgesamt habe ich ein Jahr Zeit investiert, bevor ich diese Arbeit dann endlich doch abgebrochen habe."

Die richtige Betreuung

Laut Untersuchungen an der Medizinischen Hochschule Hannover und der Uni Erlangen scheitert mindestens jeder fünfte Promotionsversuch. Damit das nicht passiert, empfiehlt Prof. Bauer, schon bei der Auswahl des Doktorvaters sorgfältig vorzugehen: "Ein guter Doktorvater hat Zeit. Auf einen Termin bei ihm muss sein Doktorand nicht lange warten. Schon im ersten Gespräch wird die Fragestellung deutlich und das Ziel der Studie abgesteckt. Werfen Sie einen Blick in das Jahrbuch der Dissertationen, das es an fast jeder Uni gibt. Ein Professor, bei dem viele Arbeiten erfolgreich abgeschlossen werden, kümmert sich wahrscheinlich eingehend um seine Promovenden."

Ein guter Doktorvater hat großes Interesse am Promotionsthema. Bei ihm kann der Doktorand sicher sein, dass die Dissertation zügig durchgeführt wird. Vielleicht hat der Doktorvater außerdem Kontakte ins Ausland oder zur Industrie, die seinen Studenten Chancen für die Zukunft eröffnen. Weil der Professor die Arbeit nicht immer selbst betreut, ist es wichtig, wie belastet der Assistent ist, der die Betreuung in Detailfragen übernimmt. "Am besten erkundigen Sie sich bei Kommilitonen nach ihren Erfahrungen mit dem eigenen Betreuer", rät Prof. Bauer.

"Ich habe nach dem ersten Staatsexamen begonnen mich umzuhören", berichtet Jens Rüter. "Eine Freundin hat ganz begeistert von ihrer Arbeit erzählt. Weil ich ihr Thema interessant fand, ging ich zu ihrem Professor. Jetzt forsche ich in seiner Abteilung über Immunmarker bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Ich werde von einem Assistenzarzt betreut, der anfangs selbst nicht mit allen Methoden vertraut war. Aber wir kommen gut miteinander aus und konnten bisher jedes Problem gemeinsam lösen."

Das richtige Thema

So wichtig wie der richtige Betreuer ist das richtige Thema. Viele Arbeiten sind hochspeziell und ziemlich monoton. Wer dann kein Interesse für das Thema hat, braucht eine Menge Disziplin, um dranzubleiben. Schon im Vorfeld sollte der Promovend klären, ob er eine experimentelle, klinische oder statistische Arbeit schreiben möchte. Am besten wählt er ein Thema, das für seine Berufsplanung Bedeutung hat. Prof. Bauer glaubt, dass z.B. eine Arbeit in den Grundlagenfächern eine Qualifikation für jedes Fach darstellt: "Wer sich da bewährt, hat bewiesen, dass er wissenschaftlich arbeiten kann." Vielleicht ermöglicht eine Arbeit auch einen Auslandsaufenthalt, ist besonders preisverdächtig und verhilft zu Ruhm und Ehre. Oder sie verschafft dem Promovenden Fähigkeiten, die er für sein Berufsziel braucht. Nicht zuletzt kann der Doktorand durch sie Beziehungen knüpfen, die später von Nutzen sein können.

Laborfrust oder Zahlensalat?

Experimentelle Arbeiten sind anspruchsvoll, bringen oft bessere Noten und machen sich gut im Lebenslauf. Der Doktorand lernt interessante Techniken; will er eine Unilaufbahn einschlagen, ist eine solche Arbeit fast ein "Muss". Sie hat aber die geringsten Aussichten auf Fertigstellung: Nur 30% der experimentellen Arbeiten führen ans Ziel. Wer eine neue Methode einführen will, scheitert meist kläglich. Die Erfolgsquote liegt unter 10%! Häufig treten Probleme auf: Material fehlt, Geräte gehen kaputt. Der Betreuungsbedarf ist hoch, die Frustrationstoleranz des Doktoranden sollte groß sein. Außerdem vergeben Professoren solche Arbeiten lieber an Molekularbiologen oder Chemiker, weil diese schon in ihrem Studium Laborerfahrung sammeln.

Klinische Arbeiten sind der ärztlichen Tätigkeit am nächsten. Sie haben einen direkten Bezug zur Klinik und sind ein Kompromiss zwischen anspruchsvoller Aufgabe und Realisierbarkeit. Ihr Nachteil ist die Abhängigkeit von Patienten. Andreas Binder hat ambulante Schilddrüsenpatienten über ein Jahr hinweg beobachtet. "Ich musste lange warten, ob ein Patient kam. Der Pieper nützte wenig, weil die Schwestern oft vergaßen, mir Bescheid zu geben. Die Patienten hatten persönlich nichts von der Studie; sie für Nachuntersuchungen bei der Stange zu halten, war schwierig." Ein Nachteil dieser Arbeiten ist der Zeitaufwand. Viele können neben dem Studium so viel Zeit nicht aufbringen. Wer gleich nach dem ersten Staatsexamen seine Arbeit beginnt, hat zudem oft nicht genug klinische Erfahrung.

Statistische Arbeiten haben die besten Aussichten auf Erfolg: Etwa 70% werden fertig. Diese Arbeiten sind gut plan- und überschaubar, die Methoden sind gesichert und der Doktorand kann sich die Zeit frei einteilen. Wer den Archivschlüssel bekommt, kann sogar Samstagnacht in den Akten wühlen. Diese Arbeiten sind aber oft staubtrocken. Sie werden meistens nur durchschnittlich bewertet und haben außer den zwei Buchstaben vor dem Namen kaum Bedeutung bei der Bewerbung. Die statistische Auswertung kann den Doktoranden zur Verzweiflung bringen, besonders ohne gute Anleitung. Wer mit der Mathematik auf dem Kriegsfuß steht, wird es mit einer statistischen Arbeit eher schwer haben.

Der ideale Doktorand

"Viele Professorenkollegen meinen, ein Promovend müsse belastbar und Tag und Nacht einsatzbereit sein", sagt Prof. Bauer. "Ich erwarte von ihm, dass er selbstständig ist und sich rasch in ein Thema einarbeiten kann. Er muss kritisch hinterfragen, was er tut. So kann er rechtzeitig erkennen, ob seine Aufgabe sinnvoll ist, die Fragestellung adäquat und die Methode korrekt. Andernfalls sollte er spätestens nach einem halben Jahr die Arbeit abbrechen." Ein Doktorand benötigt neben dem Händchen für Thema und Betreuer Organisations- und Improvisations-talent. Er sollte konsequent planen und den Plan auch umsetzen können. Nicht zuletzt braucht er Durchhaltevermögen: Wenn es mal nicht so gut läuft, muss er sich selbst motivieren können und nicht frustriert alles hinwerfen.

"Viele Doktorväter beklagen die schlechte wissenschaftliche Grundausbildung der Mediziner", so Prof. Bauer. "Weil sie tatsächlich nicht zum Lehrplan gehört, sollte man freiwillig ein Seminar besuchen und am Doktorandenkolloquium des Professors teilnehmen."

Oft sind aber auch die Betreuer schuld am schlechten Fortgang der Promotion: " Hat der Betreuer die Ergebnisse der Arbeit erst einmal publiziert", erklärt Prof. Bauer, "verliert mancher die Lust. Dann war der Promovend bloß Pipettierknecht und hat nur den Betreuer in seiner eigenen Karriere weitergebracht. Scheitert eine Dissertation an den Gutachtern, ist meistens der Betreuer schuld. Es sind oft sinnlose Fragestellungen bei rein retrospektiven Untersuchungen. Wir hatten neulich eine Arbeit zu begutachten mit dem Thema, ob der Arztkoffer des praktischen Arztes gut eingerichtet ist. Der Betreuer hätte die Anforderungen der Promotionsordnung besser kennen und den Doktoranden dementsprechend anleiten müssen."

Und los geht's!

Sind die Fragen "was?" und "bei wem?" geklärt, verschaffst du dir als Doktorand einen Überblick über die Literatur. Du solltest deine Aufgabe formulieren und dir über die einzelnen Arbeitsschritte klar werden. Danach erstellst du einen genauen Arbeitsplan. Bevor du mit den Untersuchungen loslegst, musst du die Planung mit dem Betreuer absprechen. Jetzt kannst du deine Messungen durchführen und die Ergebnisse dokumentieren und auswerten. Ehe du die Auswertung abschließt und niederschreibst, sollest du sie mit deinem Doktorvater diskutieren. Dabei kommt vielleicht heraus, dass weitere Versuche oder Daten nötig sind. Sind die Daten vollständig, kannst du die Ergebnisse zusammenfassend darstellen. Weil vermutlich seit Beginn der Arbeit einige Zeit vergangen ist, musst du dich auf den aktuellen Stand der Literatur bringen. Nach der Gliederung der Arbeit kannst du sie nun vollständig niederschreiben. Es hat sich bewährt, mit der Beschreibung von Patienten, Material und Methode zu beginnen. Es folgen der Ergebnisteil und die Diskussion. Einleitung und Zusammenfassung solltest du erst am Schluss schreiben.

Teurer Spaß

Für das "Dr. med." vor seinem Namen musst du zwischen sechs Monaten und zwölf Jahren Zeit investieren; die Materialkosten für eine nicht-experimentelle Arbeit schätzen Professoren auf 2300,- DM. Eine experimentelle Arbeit kostet um die 15.000,- DM. Für diese Kosten sollte der Doktorand nicht selbst aufkommen müssen, die Uni stellt die Mittel. Der Student hat aber weniger Zeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Deshalb ist es sinnvoll, sich früh nach Förderungsmöglichkeiten umzusehen. Viele Stiftungen vergeben Stipendien. Jedes Promotionsbüro hat dazu Informationen.

Endlich "Dr.med."

Ist die Arbeit fertig, vom Doktorvater korrigiert und für gut befunden, wird das Promotionsverfahren offiziell eingeleitet. Je nach Uni ist schon vor dem Einreichen der Arbeit eine Anmeldung erforderlich. Die Promotion wird vom Doktorvater und einem Zweitkorrektor begutachtet. Sind sie sich über die Note nicht einig, kann ein weiterer Gutachter bestellt werden. Je nach Uni ist noch eine mündliche Prüfung nötig. Die Dissertationen können vier verschiedene Noten erhalten: "Summa cum laude" erhalten Arbeiten, die eine Auszeichnung verdienen. Diese Bewertung ist selten. "Magna cum laude" ist ein "sehr gut", "cum laude" ein "gut". "Rite" ist gerade noch ausreichend. Bei schlechteren Noten gilt die Doktorarbeit als gescheitert. Hat der Promovierte die ärztliche Prüfung vollständig bestanden, darf er seinen Titel führen und ist fortan "Frau" oder "Herr Doktor".

10 Regeln für die erfolgreiche Doktorarbeit:

1. Beende deine Promotion noch während des Studiums - danach wird es ungleich schwerer!

2. Verschiebe Teile deines Studiums nicht wegen der Doktorarbeit!

3. Suche ein Thema, das deinen Neigungen entspricht und auf gesicherten Methoden basiert!

4. Suche dir einen Doktorvater, der entweder einen ständig ansprechbaren Betreuer bereitstellt oder ungewöhnlich viel Zeit und nur wenige Doktoranden hat!

5. Plane deine Doktorarbeit sorgfältig und eigne dir die notwendigen Kenntnisse an (EDV, Labortests usw.) - vermeide eine Doktorarbeit, die du nicht beherrschen wirst!

6. Suche einen engen Kontakt zum Betreuer bzw. Doktorvater, ohne ihn über die Maßen zu nerven!

7. Ziehe deine Doktorarbeit konsequent durch - nutze Leerlaufzeiten für anstehende Arbeiten wie Literaturrecherche!

8. Eigne dir ein gutes Basiswissen in medizinischer Statistik und Biometrie an!

9. Lass dich nicht frustrieren - erkenne aber aber rechtzeitig, "wann es keinen Sinn mehr macht"!

10. Pass auf, dass dir am Schluss nicht die Luft ausgeht (neuralgische Phase)!

Literaturtipps

  • C. Weiß, A. W. Bauer:Promotion, Die medizinische Doktorarbeit - von der Themensuche bis zur Dissertation; 3. überarbeitete Auflage.
    Thieme Verlag, Stuttgart 2008. 22,95 Euro
  • Info
  • |
  • Dr. med. Livia Cotta
  • |
  • 01.08.2011

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